Die Weinlesung
Literatur, Unterhaltung und Genuß mit S. Dierichs

 

Pressestimmen

-----------------------------------------------------------------

"Freies Wort" Suhl

 

Ein Hauch von Venetien
Von Hannelore Frank

Suhl – Venedig literarisch, dazu venezianische Kultweine: Schauspieler Stephan Dierichs brachte das PublikumimSuhler
Kultkeller auf denGeschmack von beidem. Natürlich kann man die Geschichten von Marlena de Blasi auch ohne ein Glas gutenWeines genießen. Oder auch mit, zu Hause einsam auf der Couch. Aber ideal ist ein solch sinnliches Vergnügen
wohl in der Gemeinschaft mit einem (vor-)lesenden Profi, der Schauspiel- undWeinkunst gleichermaßen in perfekter Manier beherrscht. Stephan Dierichs entsprach mit seiner „Weinlesung“ im Rahmen der CCSReihe „Mimenspiel“ am Freitagabend
im Kultkeller Vampir auch diesmal den Erwartungen seines fast schon Stamm-Publikums. Zu „Tausend Tage in Venedig“,
dem nahezu autobiographischen Roman der amerikanischen Autorin, die in ihren besten Jahren ihre Liebe zu Italien auf ganz spezielle Art entdeckt, ließ der Schauspieler, Hörbuch- Produzent, Autor und gelegentlich praktizierendeWinzer beste
Kostproben im Glase kredenzen. Zwischen amüsanter Schicksalsbegegnung, einer Liebe auf den halben Blick, der dieser Liebe sogar über italienische Bürokratie-Hürden hinweg eine Heirats-Chance geben wird, ist zum literarischen Genuss Gelegenheit, auch über denWein auf den Geschmack Venetien zu kommen. „Gehen wir ein bisschen nach Venedig“– Dierichs unterhaltsame Einladung bündelt in einem Exkurs ein paar Basics der Weinsensorik und Stilkunde mit einem Rendezvous der
besonderen literarischen Art. Genuss-Mensch Einen goldgelben Soave Classico im Glas, da meint man nicht nur Grünen Apfel, Honigmelone, ein bisschen Zitrus und Bittermandel von Garganega- und Trebbiano-Trauben zu riechen. Der Duft verführt doch glatt aus demKultkeller hinaus zum Flanieren über die Piazza San Marco, zum Blick hoch auf den Campanile
oder zum Gondeln auf dem Canal Grande. Und er verführt vor allem hinein ins Veneto, ins sonnenverwöhnte Weinland. Und während Marlena de Blasi mit den Italienern und Italienerinnen im Allgemeinen und mit einem Venezianer im ihrem Bett im Besonderen (ganz jugendfrei!) ihre Studien betreibt, kann sich Dierichs Publikum an der rosaroten Leidenschaft eines sanften Bardolino Chiaretto erfreuen. Und wenn sich die de Blasi nach demRosé dauerhaft bei ihrem Fernando in Venedig einrichtet, dann hat Dierichs für sein Suhler Publikum einen wuchtigen Ripensato Corvina Veronese auf Lager. Einen speziellen Roten, der auch unter der Bezeichnung Amarone für eine gebietstypische Weinbereitung aus getrockneten Trauben steht. Die Geschichte lässt sich dann nur noch mit einem Prosecco der süßen Marzemino-Traube runden.
Für seine „Weinlesung“ setzte der Schauspieler mit Erfahrungen auf den Bühnen in Rostock, Berlin und Magdeburg weniger auf Mimik und Gestik als vielmehr auf seinen Fundus als Hörbuch-Interpret und Genuss- Mensch. Dass er obendrein noch vier Jahre lang ein Weingut in der Toskana leitete und derzeit in Werder an der Havel dem brandenburgischen Wein zum Ruf verhilft, prädestiniert ihn als Fachmann auch in SachenWein-Lese der praktischen Art. In Thüringen übrigens kehrt er nicht nur sehr gerne literarisch im „Kultkeller“ ein. Dass sich hier in der Region auch kulinarisch gut genießen lässt, hat er als Autor in einem Gastroführer durch 48 „Historische Gast-Häuser und Hotels in Thüringen“ veröffentlicht. Und da obendrein in seinem Lese-Portfolio mittlerweile auch kulinarische Krimi-Geschichten aus Thüringen zu finden sind, dürfte Stephan Dierichs garantiert auch ein fünftes Mal den Weg nach Suhl finden – vielleicht begleitet mitWeinen von Saale-Unstrut.

 

 "Thüringer Allgemeinen" und der "Thüringer Landeszeitung"

Genußvolle Lesung

Delikat-literarischer Abend um Liebe und Lust, Küche und Wein

Eine leckere und pikante Geschichte, dazu ein guter Tropfen – das sind die Zutaten, aus denen der Potsdamer Schauspieler Stephan Dierichs eine delikat-literarische Weinlesung zubereitet. Zu solch harmonisch-vollmundigen Stunden mit einem Hauch Süditalien-Flair war jetzt auf Schloss Bischofstein eingeladen.

Von Iris Henning

LENGENFELD/STEIN.

Süditalien. Das klingt nach Sonne, stürmischen Liebhabern, schönen Frauen und süßem Wein. Genau dort, in Sizilien, spielt die amüsante Geschichte um Rosa, um die Liebe und die Lust und die Leidenschaft am Kochen. Dierichs hat mit „La Cucina Siciliana“ von Lily Prior einen durch und durch berauschenden Roman ausgewählt: lustvoll und dramatisch, amüsant und unterhaltsam. Genau das Richtige als prickelnder literarischer Aperitif vor und während original sizilianischer Genießer-Tropfen in Rot und in Weiß. Zwischen den Textpassagen um Rosas Liebes- und Küchenleben erklärte der Italien-Kenner Dierichs gern und ausführlich die Besonderheiten der sizilianischen Weine, die er für diese Weinlesung ausgewählt hatte. Es machte ihm diebischen Spaß, seinen Gästen den richtigen Genuss zu erläutern. Bei einer Weinlesung mit ihm gehört es sich nicht, hektisch sein Glas hinunterzustürzen und ein vernehmliches „Aah“ austöhnen zu lassen. Mit der richtigen Handhabung des Glases begann die kleine Dierich’sche Weinschule bis hin zum Genuss: „Einen kleinen Schluck in den Mund nehmen, Luft einziehen, den Wein auf der Zunge zergehen lassen und langsam die Kehle hinab laufen lassen.”

Mit Weinen kennt sich der gebürtige Weimarer aus. Vier Jahre arbeitete er auf einem sizilianischen Weingut. Überhaupt ist der hochgewachsene Fünfzigjährige ein umtriebiger Mensch. Neben seinem Beruf als Schauspieler listet er noch elf weitere Berufe auf: Kranführer, Fahrschullehrer und Elektriker sind darunter. Und wäre Plauderer ein Beruf, dann wäre das seine zwölfte Broterwerbsmöglichkeit. Dierichs ist ein unterhaltsamer Plauderer, dem man gern zuhört. Die Gäste der sizilianischen Weinlesung hatten jedenfalls ihr Vergnügen an diesem Abend.

Eingeladen zu dieser außergewöhnlichen Weinlesung hatte der Carnevalverein der Gemeinde. „Wir wollen, dass es in unserem Dorf anspruchsvolle kulturelle Angebote gibt“, sagte Peter Kaufhold vom Verein. So steht am 12. Mai eine nächste Veranstaltung im Kulturkalender. Jörg Lehmann und Romy Hildebrandt werden an diesem Abend auf Schloss Bischofstein Paarungswillige musikalisch-kabarettistisch beraten.


vielen Dank der Autorin:Iris Henning die auch die Fotos geschossen hat

 

 

  

 

 

 

 

 

 MAZ

Kochen wie bei Fallada


Kathrin und Lars Klemm wollten eigentlich mal in den USA eine Jazzbar aufmachen – jetzt haben sie sich in Werder mit der Weinhandlung und Gelegenheitswirtschaft „Alfred & Otto“ einen Traum auf märkischem Boden erfüllt.

Von Sebastian Meyer

Ein genießerischer Schöngeist ist er – und ein Schelm. „Das hier ist die Donnerstagsgesellschaft für Kunst und Kommunikation“, erklärt Stephan Dierichs, macht eine wohlüberlegte Pause, und ergänzt mit spitzbübischem Lächeln: „Eine bessere Umschreibung für trinken und sich unterhalten.“

Der 50-jährige Schauspieler, der einige Zeit auf einem Toscana-Weingut lebte, hat sich eingerichtet in der Werderaner Weinhandlung „Alfred & Otto“. Eben noch gab er einem Kunden Ratschläge über den passenden Tropfen, jetzt sitzt er am schweren Holztisch und spricht darüber, was die selbst ernannte Gelegenheitswirtschaft so besonders mache. „Wir sind geschmacksbildend unterwegs. Sowohl was Speisen als auch den Kulturbetrieb angeht“, sagt er, blickt sich um, und fügt hinzu: „Das einzige Museum, in dem man alles kaufen kann.“

Tatsächlich gibt es im „Alfred & Otto“ vieles, was man gerne sofort mitnehmen und bei sich zu Hause aufhängen möchte. Bilder der Inhaberin Kathrin Klemm, gemalt im düster-fotorealistischen Edward-Hopper-Stil, rustikale Möbel und natürlich allerlei kulinarische Köstlichkeiten. Wie ein Museum wirkt es hier aber nicht. Zu gemütlich haben es Kathrin und ihr Mann Lars Klemm eingerichtet.

Dabei hatten sie eigentlich was ganz anderes vor. Kathrin Klemm war auf der Suche nach einem Atelier, als die 46-Jährige die ehemalige Obsthandlung in der Brandenburger Straße entdeckte. Sofort war ihr und ihrem Mann klar, dass die Räumlichkeiten für etwas anderes bestimmt sein würden. „Wir fingen im Kopf sofort an zu bauen. Was man da alles draus machen könnte“, erzählt der 48-jährige Lars Klemm, der eigentlich gelernter Baudenkmalpfleger ist. „Leider ist es nicht bei der Kopfarbeit geblieben“, erinnert er sich an mühsame Stunden zwischen Staub und Schutt. Und Kathrin Klemm klagt: „Ich habe schon lange keinen Pinsel mehr in der Hand gehabt.“

Die Entbehrungen haben sich gelohnt: Das „Alfred & Otto“ ist der Traum eines jeden Genussmenschen. Mit viel Liebe zum Detail haben die Klemms ein Ambiente geschaffen, in dem der Charme der Vergangenheit mit der Eleganz der Moderne eine glückliche Ehe eingegangen ist. Nicht nur der Name der Gelegenheitswirtschaft – Alfred und Otto waren die Großväter von Kathrin und Lars Klemm – erzählt von einer anderen Zeit.

Auf der Hofmauer wächst noch der alte Weinstock, die alten Holztore wurden zum Toilettentisch im Gäste-WC umfunktioniert oder in den Kochtresen eingebaut. Und in einer der Wände aus Glindower Ziegeln wurde ein Kamin eingebaut, dessen Feuer an kalten Tagen lodert. Zusammen ergeben die lichtdurchfluteten Räume ein Reich, in dem neben einer „Cross-Over-Küche“ – die besten Gerichte aus Spanien, Italien, Frankreich und Deutschland bei Preisen zwischen 5,60 und 12,80 Euro – auch Jazz, Klassik, Theater und die Literatur Einzug gehalten haben.

Musikergrößen wie die Harfinistin Maria Todtenhaupt treten hier auf, es gibt Kochkurse, Anleitungen zur Pralinenherstellung und natürlich den Weinhandel mitsamt Weinlesungen – und Kursen von Stephan Dierichs. Durch eine Freundin war er auf die Klemms gekommen – mittlerweile haben sie sich zu dritt gut eingelebt in Werder.

Zuletzt kochten sie Rezepte des Schriftstellers Hans Fallada – Wurst, Biscuits und Gurken hat er laut Dierichs besonders gemocht – demnächst dürfen die Gäste auch die Lieblingsspeisen von dem französischen Schauspieler Gérard Depardieu kennenlernen. Und mit dem Weinhandel haben die Klemms und Dierich eine alte Werderaner Tradition wiederbelebt. Bis zur Eröffnung von „Alfred & Otto“ gab es in der Umgebung kein einziges Weinfachgeschäft – und das in unmittelbarer Nähe des traditionsreichen Wachtelbergs, Europas nördlichstem Weinbaugebiet.

Noch stehen die Chardonnays, Sauvignons und Burgunder nahezu überall herum – in Zukunft soll die historische Erdscheune als Weinkeller dienen. Dort, wo früher die Winteräpfel lagerten, fanden die Klemms ein kleines Loch in der Wand, in dem ein paar alte Obstweinflaschen aus den 1940ern lagen. Die damaligen Bewohner hatten sie wahrscheinlich aus Angst vor der Roten Armee dort versteckt. Lars Klemm wertete das als einen Wink des Schicksals. „Da war uns klar: Wir werden die 800-jährige Weinbautradition am Wachtelberg auf unsere Weise fortführen.“

Etwas überrascht sind die Klemms selber, dass es so gekommen ist. Denn eigentlich hatten sie immer den großen Traum, in San Francisco eine Jazzbar zu eröffnene. Als Kindern des Ostens blieb ihnen das zunächst verwehrt. Umso glücklicher sind sie, nun im „Alfred & Otto“ etwas geschaffen haben, das Menschen zusammen bringt.


                                                                 

                                                                                                                                          

 

 

 


"Die Tagespost" NRW
Der Weinleser - Eine Lesung im Berliner Künstlerlokal Walden mee

 

 

  Stephan Dierichs läßt der Wein nicht mehr los. Sein Wesen, seine Eigenschaften. All die verschiedenen Jahrgänge und Weinarten. Ob Chianti, Pinot, Cabernet. Unzählige kennt er. Nicht nur die der Toskana. Und es ist wunderbar zu erleben, wie die Zeit als Winzer in Italien diesen gebildeten Schöngeist, der auch so viele praktische Dinge beherrscht, beflügelt hat und weiter beflügelt.

 

 

 

 

 

"Berliner Abendblatt"
Leben und Arbeiten in den Weinbergen der Toscana Gis

 

 

  Kürzlich nun eröffnete der in Pankow lebende Schauspieler und Regisseur Stephan Dierichs seine Reihe "Weinlesungen". Nach Engagements als Schauspieler in den Jahren 1986 bis 1992 unter anderem am Volkstheater Rostock, den Freien Kammerspielen in Magdeburg und einer Reihe von Funk- und Fernsehproduktionen, entschloss sich Dierichs im Jahre 1993, die Leitung eines Weingutes in Italien zu übernehmen. Hier lernte er von der Pike auf alles über Anbau, Pflege und Verarbeitung des Weines und zeichnete zugleich als sensibler Beobachter des Alltagslebens seine Beobachtungen und Erfahrungen auf. So ist sein Buch "Mit dem Traktor durch die Toskana" entstanden, das kürzlich erschien.

 

 

"Schweriner Volkszeitung" - Mit allen Sinnen genießen von Katja Bülow

 

 

  Raus aus dem Schmuddelwetter, rüber über die grünen Alpen... ach ja. Die Zuhörer blinzelten versonnen in den Abend. Dierichs plaudert sich vom Sangiovese über einen "Rosso di Greve" zum "Montemaggio", Jahrgang 1994, und fordert die Gäste auf, mit allen Sinnen zu genießen. Schließlich könne allein die Nase bis zu 3000 verschiedene Gerüche, der Mund dagegen gerade mal vier Geschmacksrichtungen wahrnehmen.

 

 

"Der Tagesspiegel" - Nachlese von Bodo Mrozek

 

 

  Daß Stephan Dierichs bei seiner Lesung kaum ein Klischee ausläßt, liegt wohl in der Natur der Sache. Von der Wendehysterie so entnervt wie von der neuen Reisefreiheit begeistert, wählt der 34jährige das vermeintlich idyllische Leben im fröhlichen Weinberg. In kurzen Episoden fallen blasse süddeutsche Touristen in das pinienbestandene Paradies ein wie die Rebläuse, sind die einheimischen Winzer zahnlos und verschmitzt, ist die polizia bestechlich und selbst der Hütehund ein korrupter Schelm.

 

 

„Märkische Allgemeine“  Wein und Lesen in der ,,Alten Aula"

 

 

  Was man selbst sich mit Mü­hen erarbeitet hat, gibt man gern weiter. Und so erlebten die wissbegierigen und trink- bedürftigen Aula-Gäste ein in­tensives Wein-Seminar: Wie trinke ich genussvoll und sach­kundig Rotwein? Da war die ei­gene Zunge zu erkunden und zu beherrschen, wo der erste Schluck angesetzt wird, wie er auf der Zunge atmen kann, wie er abzurollen ist, um lange nachzuschmecken.   Übung macht den Meister - es gab drei Kostproben, eine immer charaktervoller als die andere. Dazu erzählte der weinbauen­de Schauspieler engagiert und erfrischend anschaulich von Mühen und Freuden des Weinbaues - eine geraffte Weinkun­de für Genießer. Berührend zu hören, welch persönliches Ver­hältnis Stephan Dierichs zu sei­nen Weinstöcken fand; jeder hatte für ihn seinen besonde­ren Charakter. Der Wein wur­de Kunstwerk, kreiert von der Natur, der Klugheit und Für­sorge des Menschen und der schützenden Hand von Weingott Bacchus. Manch erhellen­der Blick hinter die Kulissen wurde getan. Für den Wein-Umsatz, so man ,,Wein" dennoch sagen will, in den Super­märkten war der Abend beilei­be keine Werbung.

 

 

 „Ostseezeitung“ (Rostock) Koch- und Liebeskünste gehören zusammen

 

  Die literarische und kulinarische Reise führte die Besucher nach Süditalien. Dierichs las aus dem in diesem Jahr erschienen prallen Sinnenroman amüsant und unterhaltsam vor. Die Naivität der Rosa und ihr verklemmtes Verhältnis zum Sex sorgten für manchen Lacher bei den 24 Besuchern. Zwischen den einzelnen Textpassagen erklärte der Italien-Kenner Dierichs die Besonderheiten der sizilianischen Weine, die zur Lesung gereicht wurden, und wie man sie richtig genießt:    „Einen    kleinen Schluck in den Mund nehmen, Luft einziehen, den Wein auf der Zunge bewegen und an den Rändern in die Kehle laufen lassen." Da sei man nach drei Gläsern über den Abend betrunkener, als wenn man sich eine Flasche innerhalb einer Stunde einhilft. „Die Deutsche sind da immer so hektisch: schnell trinken, schnell erzählen und schnell entspannen." Mit Weinen kennt der gebürtige Weimarer sich aus.        


 

       

 

 

 

Suhl – Congresscenter                                                                                         

 

 Mit seiner Weinlesung begeisterte der Schauspieler und Italienkenner Stephan Dierichs sein Publikum.

 

 

VON LIANE KOTSCH

 

 

  Die Tage werden wieder kalt und grau, die Abende lang, was also gibt es besseres gegen die trübe Stimmung als ein gutes Buch und dazu einen Rotwein. So lässt es sich gemütlich überwintern, dachten sich auch die Veranstalter der Mimenspielreihe und holten den Schauspieler und Winzer Stephan Dierichs mit seiner Weinlesung hinter den Wald. Der vielfältig Talentierte gastierte mit seiner literarischen Weinverkostung zum ersten Mal in Suhl, ja sogar erstmals in Thüringen, obwohl er 1959 in Weimar geboren wurde. Heute lebt er in Berlin, aber seine Liebe gilt Italien und dem Wein. Kein Wunder, dass er zu Wendezeiten eine sich bietende Gelegenheit

 

 

beim Schopfe packte und samt Familie in die Toskana zog, um das Weingut Vignano zu bewirtschaften. Das war 1993 und der gelernte Elektromonteur, Kranfahrer, Fahrschullehrer, Schauspieler und Regisseur wurde nun Winzer. Den Weinanbau lernte er von der Pike auf. Aber außer um den Wein musste sich die Familie gleichzeitig um die Ferienwohnungen auf dem 500 Jahre alten Hof .kümmern, sowie um eine Olivenplantage und natürlich um die Verarbeitung der

 

 

Ernte. Das Aufeinanderprallen der verschiedenen Kulturen und Arbeitsweisen während dieser

 

 

Zeit schilderte er dann locker flockig und fein beobachtet in seinem im Jahr 2000 erschienen

 

 

Buch „Mit dem Traktor durch die Toskana". Leben auf dem Weingut In diesem - selbstredend weinrot gebundenen - Band hat Dierichs die kleinen Begebenheiten und Erlebnisse aus der Italienzeit aufgeschrieben. Entstanden ist dabei ein sehr unterhaltsames Buch, das in autobiografischen Shortstories die Impressionen vom Leben auf dem Weingut wiedergibt.

 

 

Aus selbigem Band las der Künstler zwischen den Verkostungen von drei verschiedenen

 

 

typischen Rotweinen aus der Toskana. Allerdings nicht ohne das geneigte Publikum vorher fachkundig   zum   richtigen Weintrinken anzuleiten: Sehen, riechen,    schmecken   und schließlich das Wahrgenommene einfallsreich beschreiben - die Kunst des Genusses ist gar nicht so einfach. Der Meister erklärte zusätzlich die Fachbegriffe von „Riechkolben" über „Zungenfetzen" bis „Abgang" und machte dann die einzelnen Schritte in Vollendung vor nicht ganz zufällig schien wohl

 

 

eine Spur Alfred Bioiek in der Fernsehküche durch zur allgemeinen Belustigung. Schließlich versuchte sich das Publikum selbst, wenn auch noch etwas schüchtern, bei den Geräuschen der Genussbekundung.

 

 

Inzwischen tourt Stephan Dierichs mit diesem in Deutschland einzigartigen Programm-Mix aus Literatur, Weinseminar mit Verkostung und Conference durch die Lande und begeistert sein Publikum. In Suhl war übrigens die, Resonanz so groß, dass trotz der starken Konkurrenz durch Marianne & Michael der Bankettsaal des CCS fast voll besetzt war. Am Ende hatte der Autor und Winzer sogar alle mitgebrachten Bücher restlos verkauft. Die Besucher gingen nach diesem intelligenten und humorvollen Abend mit neuem Wein-Wissen und bestens gelaunt ins Wochenende.

 

 

Diese spezielle Weinlesung ist allerdings nur ein Programm unter vielen, welches Stephan Dierichs inzwischen entwickelt hat. In ähnlichem Rahmen kann der Weingenießer auch spanische und französische Weine verkosten. Außerdem bietet der Schauspieler thematische Weinlesungen an, beispielsweise eine Weihnachtsveranstaltung oder eine erotische Weinlesung. Sein nächstes größeres Projekt wird im nächsten Jahr ein Reiseführer über Thüringen, in dem er etwa 80 historische Gasthöfe und Schlösser vorstellt, die Besonderes und Exklusives bieten. Bis zur Buchpremiere 2006 in Leipzig wird man Stephan Dierichs daher noch öfters in Thüringer Weinkellern begegnen können, vielleicht aber auch noch im Theater - beim Gothaer Ekhoff-Festival - oder sogar im CCS. Die Suhler würden es sicher danken.

 

 

 


 

 

 

"Der Tagesspiegel" - Nachlese

 

von Bodo Mrozek

 

Kerzen flackern in jugendstiligen Leuchtern, auf den Wänden schreiten zierlich gemalte Wundervögel durch stilisierte Bäume, im Hintergrund Klaviergeklimper und leises Gläserklingeln: derart stimungsvoll bemüht man sich im "Walden", das Hinterzimmer zum literarischen Salon zu verwandeln (künftig jeden ersten Montag im Monat. Am 1. Februar liest Peter Brasch). Stephan Dierichs' Weinlesung und Degustation harmoniert mit dem genius loci: wie einst der Essayist H. D. Thoreau, dessen Einsiedlerzyklus dem Restaurant in der Chorinerstraße 35 als Namensgeber diente, zog es anno 1991 auch den gelernten Elektromonteur, Kranfahrer und Diplomschauspieler in die Eremitage. Allerdings nicht nach Massachusetts, sondern in die Toskana. Daß Stephan Dierichs bei seiner Lesung kaum ein Klischee ausläßt, liegt wohl in der Natur der Sache. Von der Wendehysterie so entnervt wie von der neuen Reisefreiheit begeistert, wählt der 34jährige das vermeintlich idyllische Leben im fröhlichen Weinberg. In kurzen Episoden fallen blasse süddeutsche Touristen in das pinienbestandene Paradies ein wie die Rebläuse, sind die einheimischen Winzer zahnlos und verschmitzt, ist die polizia bestechlich und selbst der Hütehund ein korrupter Schelm. Die eigentlichen Stars des Abends sind ein Chianti aus Castellino (charaktervoll, ausgewogen), ein Rosso Toscano (gehaltvoll mit starker Frucht) und ein Rosso di Greve (feingliedrig mit schwacher Maggi-Note). Und die Prosa? Rollt sehr leicht über den Gaumen, mit starken Heiterkeits-Aromen, im Abgang ganz wenig Moralinsäure. Denn die Erkenntnis, bitter wie ein Espresso, beendet den Selbsterfahrungstrip: Freundschaft wird in der Toskana nicht erworben, sondern vererbt - in der Fremde bleibt der Fremde ein Fremder.

 

 


 

 

"Schweriner Volkszeitung" - Mit allen Sinnen genießen

 

 

von Katja Bülow

 

Die Wände voller Bücher, Kerzen und ein gutes Glas Rotwein auf dem Tisch - die andere Buchhandlung gibt, im rechten Licht betrachtet, ein behagliches Wohnzimmer ab. Weinlesung. Inhaber Manfred Keiper und Uwe Behrend, der das Feinkost-Lädchen "Ombre" am Barnstorfer Weg betreibt, haben zusammengemixt, was sie Genießern bieten können. Und ihr Konzept geht auf.
Dreimal haben die beiden schon gemeinsam in die Buchhandlung am Ulmenmarkt geladen, um edle Rebensäfte vorzustellen und auch literarisch in die jeweilige Region zu entführen. Jüngstes Reiseziel: die Toskana. Für den Schauspieler Stephan Dierichs, der die Gäste durch den Abend führt, ein Heimspiel. Nachdem er bis 1991 im Rostocker Volkstheater und danach noch eine Weile in Magdeburg auf der Bühne stand, beschloss er, eine Auszeit zu nehmen. Mit Frau und Kindern zog er in die Toskana und arbeitete vier Jahre lang als Verwalter auf dem Weingut "Vignano". Heute ist er unter anderem Gastdozent in der Rostocker Hochschule für Musik und Theater. Und während Uwe Behrend den "Sangiovese di Toscana" einschenkt und Antipasti serviert, denkt er schmunzelnd zurück: "Als gelernter DDR-Bürger kannte ich damals nur Rosentaler Kadarka, Stierblut und die ach so schwarze Mädchentraube. Aber ich dachte, Traktor fahren, das wird schon klappen."
Raus aus dem Schmuddelwetter, rüber über die grünen Alpen... ach ja. Die Zuhörer blinzelten versonnen in den Abend. Dierichs plaudert sich vom Sangiovese über einen "Rosso di Greve" zum "Montemaggio", Jahrgang 1994, und fordert die Gäste auf, mit allen Sinnen zu genießen. Schließlich könne allein die Nase bis zu 3000 verschiedene Gerüche, der Mund dagegen gerade mal vier Geschmacksrichtungen wahrnehmen. Dazu liest er aus seinem unveröffentlichten Buch "Mit dem Traktor durch die Toskana".
Rund zweieinhalb Stunden dauert die Weinlesung. Thema der nächsten Veranstaltung dieser Reihe: die Riesling-Weine. Am 6. Mai, 20.00 Uhr, wird die andere Buchhandlung wieder in Kerzenlicht getaucht. Wer dabei sein will, der sollte allerdings rechtzeitig Karten bestellen. Nur rund 40 Gäste finden zwischen den Bücherregalen Platz. Und Manfred Keiper bedauert: "Fast doppelt so viele Leute wären gerne gekommen."

 

 


 

 

"Berliner Abendblatt"
Leben und Arbeiten in den Weinbergen der Toscana

 

 

Gis

 

  Neue Veranstaltungsreihe "Weinlesung" im "El Garden Infernale" Pankow. Seit zwei Jahren bemüht sich das Veranstaltungsteam des "El Garten InfernaIe" darum, speziell Künstler aus Pankow vorzustellen und ihre Arbeiten in der Breite Straße 43 a zu präsentieren. So stellte beispielsweise erst kürzlich die in Pankow lebende Fotografin Vera Tenschert ihre interessanten Helene-Weigel- Fotos vor. Kürzlich nun eröffnete der in Pankow lebende Schauspieler und Regisseur Stephan Dierichs seine Reihe "Weinlesungen". Nach Engagements als Schauspieler in den Jahren 1986 bis 1992 unter anderem am Volkstheater Rostock, den Freien Kammerspielen in Magdeburg und einer Reihe von Funk- und Fernsehproduktionen, entschloss sich Dierichs im Jahre 1993, die Leitung eines Weingutes in Italien zu übernehmen. Hier lernte er von der Pike auf alles über Anbau, Pflege und Verarbeitung des Weines und zeichnete zugleich als sensibler Beobachter des Alltagslebens seine Beobachtungen und Erfahrungen auf. So ist sein Buch "Mit dem Traktor durch die Toskana" entstanden, das kürzlich erschien. Einen kleinen Einblick gab und gibt Stephan Dierichs dem Pankower Publikum auch bei seinen Lesungen im "El Garten Infernale". Dazu vermittelte er einiges Wissen aus seinem reichen Erfahrungsschatz im Umgang, dem Genuss und der Auswahl von Weinen, berichtete über Impressionen aus vier Jahren Leben und Arbeiten in den Weinbergen der Toscana. Wer die Veranstaltungen bisher verpasst hat, braucht nicht traurig zu sein: Weitere Weinlesungen sind am Freitag, 10. November sowie für den 8. Dezember geplant. Übrigens besteht die Idee der Veranstaltungsreihe "Weinlesungen" darin, einen literarischen Abend mit Weingenuss zu verbinden und dabei die typischen Weine der Region kennenzulernen, über die gerade gelesen wird.

 

 


 

 

"Die Tagespost" NRW
Der Weinleser - Eine Lesung im Berliner Künstlerlokal Walden

 

 

mee

 

  Es gibt viele Lesungen in Berlin. Besonders am Prenzlauer Berg, dem Bezirk der Unangepaßten. Wo in jedem Hinterhof ein Roman wartet, in jedem Keller eine Neuentdeckung. Meistens geht es um Liebe, Glück und Totschlag. Die üblichen Leiden des Berliner Alltags. Stephan Dierichs erzählt eine andere Geschichte. Zwar wohnt auch er in Berlin, und am Prenzlauer Berg hat er lange gelebt, doch wie es sich für jemand gehört, der in Weimar zur Welt kam, ist er irgendwann nach Italien aufgebrochen. Ausgewandert in die Toskana. Nicht um dort Urlaub zu machen, sondern um als Weinwinzer zu arbeiten. Auf einem 500 Jahre alten Gut bei Vignano, mit 15 Hektar Reben, 800 Olivenbäumen und fast 365 Sonnen im Jahr. Vier Jahre lang - mit Frau und zwei kleinen Kindern.

Was dort so alles passierte zwischen blauem Himmel und verbrannter Erde, zwischen Reben und Holzfässern, das hat er aufgeschrieben. Es ist als Buch veröffentlicht worden: "Mit dem Traktor durch die Toskana". Aus diesem Buch liest er nun vor - in verschiedenen Städten und immer wieder im Künstlerlokal Walden, am Rande des Prenzlauer Berges, wo es noch etwas ruhiger zugeht, kultivierter, besinnlicher.

Ein Flur und ein Vorhang trennen ihn und seine Zuhörer, die an einem langen Holztisch sitzen, von den übrigen Lokalbesuchern. Ein Raum mit Kerzenlicht und Pflanzenornamenten an den Wänden. Es soll auch an diesem Abend um den Wein gehen - wie er gekeltert wird, der Natur abgerungen und wie man ihn trinkt, riecht, anschaut. So viele verschiedene Farben und Geschmackstöne wollen entdeckt und genossen werden. Nicht nur auf dem Papier, nicht nur für die Ohren - auch für Gaumen und Zunge.

"Schütteln Sie das Glas ruhig ein wenig, damit der Wein seinen Geschmack entfalten kann. Versuchen Sie ihn mit der Nase zu erkennen oder halten Sie ihn ans Kerzenlicht, um die Farbe des Weins zu sehen und dann lassen Sie den Wein langsam auf der Zunge rollen, bis er an den Zungenfetzen herunter fließt." Hmh. Dierichs nippt behutsam an seinem halb gefüllten Weinglas. Lächelt. Die Augen leuchten. Guter Wein. Er hat ihn selbst ausgesucht. Diesmal ist es nicht sein eigener. Für den hat er viele Preise bekommen. Nicht sein eigener, aber ein guter Wein. Das finden auch die Gäste. Und als jeder am Tisch dem ersten Weinritual gefolgt ist, wird das Essen aufgetragen. Der erste Gang - und alle stürzen sich mit höflicher Zurückhaltung auf Tomatensalat mit Manchego - Käse, Pilze aus der Pfanne, Blätterteig mit Spargel - Ragout, Artischocken. Andere Gerichte werden folgen, andere Weine. Delikatessen.

"Das Essen verändert den Weingeschmack natürlich auch", sagt Stephan Dierichs, der nun sein Buch aufschlägt, während die Gäste genüßlich schlemmern. "Ein guter Wein lebt. Er nimmt neue Nuancen an. Doch sein Geschmackskern bleibt. Je besser der Wein ist, desto länger bleibt er einem im Mund. Schon ein kleiner Schluck genügt dann." "Die menschlichen Sinne können soviel erspüren, wenn der Mensch sich darauf einläßt", bemerkt eine Frau ganz freudig und staunend über diese Einsicht. Sie ist zu Besuch in Berlin, eine Bekannte hat sie mitgenommen zur Lesung, und nun reist sie also gleich weiter nach Italien. "Ja", das stimmt", meint Dierichs. "Wein ist ein Lebensmittel. Nicht lebensnotwendig, aber ein Mittel, das lebt." Darin geht es auch im Buch. Es ist eine persönliche Annäherung an den Wein, die Kunst der Weinlese. Eine Annäherung an die Menschen, die in der Toskana mit und vom Wein leben.

Wie zum Beispiel Enelio, der Dierichs half bei der Arbeit im Weinberg. Beim persönlichen Kontakt mit Säuren und Stöcken, Trauben und Most. Am Pflug und auf dem Traktor. Enelio erklärte dem germanico die Geheimnisse und natürlichen Gesetze der Landschaft, des Wetters, denen sich der Mensch zu fügen hat. Ob es ihm paßt oder nicht. "Gott bestimmt das Wetter und den Wein." Sagte das braungebrannte Original nur, wenn einmal Regen kam und die geplanten Arbeitsabläufe durcheinander brachte. Es störte ihn nicht. Dann gab es eben anderes zu tun. Dann würde der Wein eben eine andere Richtung, eine andere Gärung nehmen.

In der DDR war Stephan Dierichs anderen Menschen begegnet. Als Elektromonteur und Beleuchter, als Fahrschullehrer und Kraftfahrer. Später dann als Student an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch", als Schauspieler in Rostock. Deutsche Planerfüllung, künstlerischer Perfektionismus - doch damit war in der Toskana keine Lira zu machen. Und vielleicht zog es Dierichs deshalb dorthin. Unbewußt. Zum berühmten Ganz Anderen, das auch immer viel von einem selbst beinhaltet. Die Rolle des Weinwinzers konnte er nicht einfach ausziehen - wie eine Rolle in einer Komödie von Kleist oder Lessing, die man auch nicht so leicht ausziehen kann. Die Rolle des Weinwinzers war das Leben selbst, das einfache, nackte Sein - und die Natur, der Weinberg, das war die Bühne. Unveränderlich im Wechsel. Mit den verschiedenen Akten der Jahreszeiten.

Die Gäste der Weinlesung hören Dierichs gespannt zu. Und weil man nicht nur am Wein gerochen hat, sitzen einige von ihnen inzwischen lockerer und offener auf ihren Stühlen. Der Wein als Kulturwert für Körper und Seele. Das wußten auch schon frühere Generationen und andere Kulturen, über die Dierichs nun spricht. Ein kleiner Exkurs durch Zeit und Raum. Manche Völker und Stämme schrieben dem Wein einen geheimen Zauber zu, weil er ihre Sinne veränderte. Als etwas Heiliges, Übersinnliches verstanden sie ihn. Bereits die Germanen betrachteten vor 3000 Jahren den Honigwein, den sie Met nannten, als ein Geschenk der Götter. Und auch in der katholischen Kirche spielte der Wein als Meßwein immer schon eine wichtige Rolle.

Stephan Dierichs läßt der Wein nicht mehr los. Sein Wesen, seine Eigenschaften. All die verschiedenen Jahrgänge und Weinarten. Ob Chianti, Pinot, Cabernet. Unzählige kennt er. Nicht nur die der Toskana. Und es ist wunderbar zu erleben, wie die Zeit als Winzer in Italien diesen gebildeten Schöngeist, der auch so viele praktische Dinge beherrscht, beflügelt hat und weiter beflügelt. Inzwischen hat er wieder gespielt in Deutschland. Unter Hans Günther Heime in Essen. Im Fernsehen, in einer ZDF - Serie. Verschiedene andere Theaterprojekte begleitet er. Doch Dierichs ist wählerisch. Der Wein hat ihn viel gelehrt. Eine gute Auslese verlangt manchmal Beschneidung, Reduktion. Er spielt nur das, was ihm gefällt. Ein guter Winzer gibt seinen Trauben viel Aufmerksamkeit, Zeit zur Reife. Nur so bekommt der Wein Charakter. Ein guter Schauspieler lebt mit seinen Rollen und Figuren ebenso. Das verlangt Mut. Den Willen zu Freiheit und Unabhängigkeit. Weder im Weinhandel, noch im Theatergeschäft ist dafür soviel Platz. Maßgeschneiderte, künstlich manipulierte Produkte werden verlangt. Es wird viel gepanscht. "Pfusch" nennt Dierichs das und lehnt es ab. Auf der Bühne und im Glas.

Nach 2 ½ Stunden ist die Lesung vorbei. Manche Gäste wollen das Buch kaufen, bitten um eine Unterschrift mit Widmung. Andere erkundigen sich nach den Kindern. Ob sie noch italienisch sprechen. "Besser als der Vater", antwortet Dierichs schmunzelnd. Er hat als einziger nichts gegessen, nur gesehen, was den Gästen kredenzt wurde. Doch eine Portion bleibt immer übrig. Die gönnt er sich jetzt. Auf der anderen Seite des Vorhangs, wo die anderen Lokalgäste sitzen, ist es nun doch etwas lauter geworden. Kellnerinnen flitzen umher. Stimmen sausen. Die Tische sind vollgefüllt mit Gebärden und Gesichtern. Das ein oder andere kennt man. Eine wilde Mischung von Lippen, die rauchen, reden und trinken. Bier - und Weingläser schaukeln durch die Luft. Worte, die sich um Fußball, Kinofilme oder den Job drehen. Laute, schnelle Worte. Drängender als die Worte des Weines, die leiser und tiefer fließen. Doch sie bleiben lange auf der Zunge, die Worte des Weinlesers. Molto bene.

 

 


 

 

Märkische Allgemeine . Dienstag, 5. Februar 2002

 

 

  Wein und Lesen in der ,,Alten Aula"

 

 

Stephan Dierichs Gast in Blankenfelde

 

 

ARNO NEUMANN

 

 

BLANKENFELDE .

 

 

Der Wein war gut, sogar ausgesprochen gut in der ,,Alten Aula" Blan­kenfelde. In stimmungsvollem wie stilgerechtem Ambiente hatte der Kulturverein zu Weinlesung und Weinverkos­tung eingeladen. Stephan Die­richs, das berufliche Multita­lent vom Elektromonteur, Be­leuchter,    Fahrschullehrer über den Schauspieler bis zum Weinbauern und Schriftstel­ler, erwartete ein Publikum, das sich schon beim Eintritt an der Parade der Weinfiaschen erfreute, mit gezügelter Unge­duld auf den ersten Schluck wartete.

 

 

Doch so einfach war der nicht zu haben. Erst einmal gab es ein Stück Autobiogra­phie Dierichs, der von Um-und Einbrüchen in den Wende-jahren im Theaterbetrieb Ros­tocks und Magdeburgs erzähl­te, von der Suche nach hand­fester Arbeit für sich und seine Familie. Landwirtschaft als bo­denständiger Lebenshalt war beschlossene    Alternative. Man versuchte es im Mecklen­burgischen, bewarb sich in Bayern, wo man allerdings nur einen Single brauchte, bar jeglicher menschlichen Bedürf­nisse und wartungsfrei funk­tionierend. Ein Versuch in Schweden scheiterte. Wer so viel Kälte und Dunkelheit er­lebt hatte, für den gab es ei­gentlich nur noch den Süden. Südwestlich von Florenz bo­ten sich Aufenthalt und Arbeit auf dem Weingut ,,Vignano" an. Mit Unverfrorenheit, viel Mut, Fleiß und Unterstützung der Alteingesessenen wurde Stephan Dierichs für mehrere Jahre Weinbauer.

 

 

Was man selbst sich mit Mü­hen erarbeitet hat, gibt man gern weiter. Und so erlebten die wissbegierigen und trink-bedürftigen Aula-Gäste ein in­tensives Wein-Seminar: Wie trinke ich genussvoll und sach­

 

 

kundig Rotwein? Da war die ei­gene Zunge zu erkunden und zu beherrschen, wo der erste Schluck angesetzt wird, wie er auf der Zunge atmen kann, wie er abzurollen ist, um lange nachzuschmecken.   Übung macht den Meister - es gab drei Kostproben, eine immer charaktervoller als die andere. Dazu erzählte der weinbauen­de Schauspieler engagiert und erfrischend anschaulich von Mühen und Freuden des Weinbaues - eine geraffte Weinkun­de für Genießer. Berührend zu hören, welch persönliches Ver­hältnis Stephan Dierichs zu sei­nen Weinstöcken fand; jeder hatte für ihn seinen besonde­ren Charakter. Der Wein wur­de Kunstwerk, kreiert von der Natur, der Klugheit und Für­sorge des Menschen und der schützenden Hand von Weingott Bacchus. Manch erhellen­der Blick hinter die Kulissen wurde getan. Für den Wein-Umsatz, so man ,,Wein" dennoch sagen will, in den Super­märkten war der Abend beilei­be keine Werbung.

 

 

Aber da war ja noch die an­gekündigte ,,Weinlesung" aus Dierichs Buch ,,Mit dem Trak­tor durch die Toskana", die dann doch etwas zu kurz kam. Drei Episoden, locker den drei Weinen zugeordnet, las er: die Fahrt in die Toskana,die frus­trierende Ankunft eines Feri­en-Ehepaares und - eigentlich literarisch am schönsten - Im­pressionen über die toskani­sche Landschaft. Man hätte noch mehr, vielleicht auch Per­sönlicheres, hören wollen.

 

Und man blieb sitzen. Der Abend hatte Menschen im Ge­spräch zusammengeführt, wie man es besser nicht hätte orga­nisieren können. Stephan Die­richs, dem Kulturverein, dem fleißigen und sympathisch für­sorglichen ,,Personal" - das Ti­sche eindeckte, Einlass ge­währte,  Bücher  verkaufte, Wein ausschenkte - , und na­türlich Bacchus sei Dank!

 

 

Top | weinlesung@web.de